Everytime
Kapitel 1

Ich hasse mein Leben. Nicht nur, das meine Mutter gestorben ist, sondern auch, dass mein Vater von mir und meinen Problemen, die sich in letzter Zeit häufen, gar nichts versteht.
Ich bin Einzelkind, also war mein Leben so etwas von langweilig. Mein einzigstes Hobby war das Verkleiden.
Ich liebte es einfach in andere Rollen zu schlüpfen, mein eigenes Leben ganz zu vergessen und eine andere Person zu sein. Eigentlich war ich früher mit meinem Leben zufrieden, doch dann wurde alles anders...

Ich bin so aufgeregt! Zwar sagte ich mir immer, dass es nicht so schlimm sei die Schule zu wechseln und eine Art anderes Leben zu beginnen, aber ich dachte genau das Gegenteil.
Jetzt würde ich zum ersten Mal meine neue Klasse auf der höheren Schule sehen. Unseren Lehrer hatte ich schon kennen gelernt und auf den ersten Blick, war er gar nicht mal so schlecht.
Auf jeden Fall sah er sympathisch aus. Ich inspizierte meine Mitschüler. Es waren, wie in fast jeder anderen Klasse auch, die typischen Charaktere vorhanden. Da war natürlich das super beliebte Mädchen, dass von allen gleich umschwärmt wurde. Genau das gleiche lief auch bei den Jungs ab.
Dann waren da die, die sich selbst für total gut halten und eine genauso "gute Clique" aufmachten.
In einer Ecke standen die super Coolen, mit Zigaretten in der Hand und Klamotten, die bei den Mädchen weniger bedeckten, als sie sollten und bei den Jungen eigentlich keinen Zentimeter Haut zeigten.
"Das kann ja heiter werden", dachte ich, weil ich nicht glauben konnte, dass ich hier jemals eine Freundin oder jemanden, mit dem ich reden kann finden würde. Aber so war es halt auf der Realschule. Und ich kann ja auch nichts dafür, wenn wir mitten im neunten Schuljahr umziehen und ich, mit 14 Jahren jetzt versuchen muss neue Freunde an einer komplett neuen Schule zu finden.
Aber dann sah ich erneut zu Tür und wo vorhin noch die möchtegern Coolen standen, war nun ein nett aussehendes und auf den ersten Blick auch zum Glück normales Mädchen.
"Okay, jetzt geht´s los. Wenn ich eine Freundin finden will, darf ich nicht so schüchtern sein! "
Doch egal was ich mir auch einredete, ich brachte es nicht fertig, meine Beine oder auch nur die Zunge in die Hand zu nehmen und sie einfach anzusprechen. Aber egal, denn ich konnte jetzt eh nicht mehr darüber nachdenken, da unser Lehrer, Herr Seibil nun hereinkam und uns bat, uns hinzusetzen.
Es begann das übliche Vorstellen der Klassenkameraden und ich hing meinen Gedanken nach.
Erst als das Mädchen von vorhin dran war und uns sagte, dass sie Natascha heißt, wachte ich aus meiner Trance auf. Es bestätigte sich, auf jeden Fall für mich, dass sie ein Mädchen ist, das eine Freundschaft wert ist. Doch es sah so aus, als ob das eine super coole Mädchen, ,das sich am auffälligsten gekleidet hatte, überhaupt nichts von Natascha hielt. Aber egal.
"Oh nein! Jetzt bin ich dran", regte ich mich auf, doch dann war es auch schon so weit. Ich musste aufstehen und stotterte schnell meinen Namen, Nadine, aber dann verließ mich meine Stimme ganz und ich sank wieder in meinem Stuhl zurück.
Aber das schlimmste kam erst. Schon kam eine scheußliche Bemerkung von , die wahrscheinlich von mir nichts hielt: "Boar, war das ne klasse Leistung, Na..Na...dine!" Sie hatte bestimmt nicht Natascha mit ihrem herabkommenden Blicken gemeint, sondern mich. Denn wer kann schon etwas gegen so ein nettes Mädchen wie sie haben. Sie kleidete sich in keiner Weise auffällig, ob gut oder schlecht. Sie hatte ein hübsches Gesicht und eine gute Figur.
Also prima, sie galten mir!
Dem folgte tosendes Gelächter und ich fühlte mich, als ob ich jeden Moment in Tränen ausbrechen und schreiend das Zimmer verlassen würde, doch zu meinem eigenen Schock, tat ich dies auch.

Kapitel 2

"Was hab´ ich da getan?" , Dachte ich. Ich schrieb in mein Tagebuch, welche Demütigung ich erfahren hatte:
Liebes Tagebuch
Warum nur ich? Warum konnte ich mich nicht ganz normal verhalten? Ich verstehe das einfach nicht!
Wie konnte ich mich schon am ersten Schultag so blamieren? Hätte ich nicht einfach irgendwie ablenken können? Ich war so blöd, so peinlich, ich bin so blöd, ich bin so peinlich. Warum? Warum nur? Warum nur ich?
Warum bin ich rausgerannt? Warum habe ich geweint?
War die Beleidigung wirklich so schlimm, dass ich weinen musste?
Hätte ich es nicht aushalten können? Ich habe alles nur noch schlimmer gemacht!
Nun ist es aus!
Deine auf Ruhe hoffende
Nadine

Am nächsten Morgen ging es mir so schlecht, als hätte ich mich gerade 4 mal übergeben.
Doch, wie mein Vater so ist, musste ich trotz meines Bettelns und Bittens in die Schule. Dabei habe ich ihm natürlich nicht erzählt was geschehen war, sondern sagte, dass ich Migräne hätte.
Im geheimen denke ich, dass er mich durchschaut hat, aber, dass seine "Erziehungsmethoden" dagegen sprechen, dass ich auch nur einmal meinen Willen durchsetzen kann.
Also musste ich mich auf den Schulweg machen und schon passierte es:
kam um die Ecke und ging sofort auf mich zu. Ich weiß nicht wie sie das schaffte, aber immer, wenn ich sie sah oder auch nur von ihr hörte, war mein sowieso schon winzig kleines Selbstbewusstsein, das sich vielleicht noch irgendwo in meinem Hirn versteckte einfach weg und dann will ich einfach nur noch im Boden versinken. "Hi, Kleine! Na kannste wieder reden, oder hast du immer noch Probleme damit deinen Namen auszusprechen?" , fragte sie mich höhnisch und auf mich herabblickend.
"Nein....N..n. I..ich hab k..kein P..P....Problem."
Warum stottere ich immer, wenn sie in meiner Nähe ist?
Warum stottere ich überhapt? Ich kann doch normal reden!
"Tja! Hast es wohl immer noch nicht gelernt! Ich muss dann auch weiter, ich will ja nicht, das mich jemand mit so einer wie dir sieht!"
Das hat gesessen! Warum macht sie mich so fertig? Erschüttert ging ich langsam mit hängendem Kopf zurück nach Hause. In die Schule: Niemals!
Dort stand ich nur weiterhin der Peinigerin gegenüber.
Doch auch zu meinem Vater wollte ich nicht, er würde mich sowieso nicht verstehen und mich wenn es sein musste selbst in die Schule bringen. Also schlich ich mich in unseren Garten und legte mich zu meinem Hund, Lara, in den Zwinger.
Mit ihr konnte ich reden. Sie hörte mir zu. Nur bei ihr fühlte ich mich wohl. Ich verbrachte den ganzen Vormittag bei ihr. Ich sagte ihr alles, was meine Seele belastete und am Mittag, als ich eigentlich aus der Schule kommen sollte, streichelte ich sie noch mal zärtlich und ging ins Haus.
Im Haus saß schon mein wutschnaubender Vater und begrüßte mich mit den Worten:
"Jetzt auch noch Schule schwänzen? Der Lehrer hat angerufen, um sich nach dir zu erkundigen!
Das fängt ja gut an!... Für einen Moment schaltete ich meine Ohren einfach auf Durchzug und ließ alles an mir abprallen.
Warum fragt er nicht wieso ich nicht dort war?
Und außerdem, auch für mich war das kein sehr glänzender Start in der neuen Klasse! Es ist für mich ja auch nicht leicht, eine Art neues Leben zu beginnen!
Doch mein Vater fuhr, trotz meiner bitterbösen Miene mit seiner Predigt vor und ich hörte gezwungener Maßen zu, bis er sagte:
"Geh mir aus den Augen! Ich möchte nachdenken, warum ich meine Tochter nicht zur Anständigkeit und Disziplin erzogen habe."
So schlich ich zum zweiten mal an diesem Tag am Boden zerstört in mein Zimmer. Auch ich dachte nach:
Das fängt ja gut an! Jeder macht mich fertig! Warum? Bin ich so ein typisches Opfer, für das man kein Mitleid empfinden kann und über das man denkt, dass es zum Auslassen der Wut und des Frustes da ist? Warum hacken alle auf mir rum? Ist es denn so schlimm, dass man Angst hat und aufgeregt ist und deswegen nicht so locker auftreten kann wie manch andere? Mir liegt dieses locker und cool sein einfach nicht!
Plötzlich klingelte mein Telefon und riss mich aus meinen Gedanken.
Ich nahm ab, doch die Leitung war tot. Kurz darauf klingelte es wieder, diesmal hörte ich nur eine Stimme:"Hallo, Kleine", zischelte da jemand. Dann legte er auf.
War dies wieder ? Was versprach sie sich eigentlich davon mich zu ärgern, mich zu blamieren, mich niederzumachen?
Deprimiert ging ich zur Tür um abzuschließen, denn das letzte was ich jetzt brauchen konnte, war mein genervter Vater. Dann holte ich die Verkleidungskiste aus meinem Kleiderschrank. Ich zog meine normalen, langweiligen Klamotten aus, schlüpfte in ein weißes Prinzessinnenkleid und setzte mir ein Krönchen auf den Kopf. Ich bewunderte mich in dem großen Spiegel, der an der Wand hing und schon sah die Welt ganz anders aus. Es war eine wunderbare Welt, eine perfekte Welt. Es war meine Welt, auch wenn es nur eine Gedanken-, eine Scheinwelt war.
Ich stellte mir vor, wie ich, als Prinzessin, in diesem Kleid einen Stall voller Menschen betrete, alle zu mir kommen, mir Komplimente machen und auf ihren Knien angekrochen kommt, um sich für ihre Bemerkungen und ihr Verhalten zu entschuldigen. Ich hätte es zwar dann nicht mehr nötig diese Entschuldigung anzunehmen, tat es aber um einen guten Eindruck zu hinterlassen.
Ich wäre glücklich und schließlich würde Natascha und noch viele andere mich anflehen. Anflehen ihre Freundin zu sein.......

Ich heulte die ganze Nacht. Den wirklichen Grund dafür kenne ich nicht, weil ich bevor ich mich hinlegte den Entschluss gefasst hatte, morgen mit Natascha zu reden und mein Möglichstes zu tun, damit wir Freundinnen werden.
Auf dem Weg zur Schule war ich dann schon besser drauf und lächelte meiner Zukunft und meinen Plänen mit Natascha entgegen. Als ich den Schulhof betrat, sah ich Natascha bei dem schlimmsten Mädchen stehen, das sie sich hätte aussuchen können: .
"NEIN!" Das konnte doch nicht wahr sein, das sich meine möglicher Weise beste Freundin mit meiner schlimmsten Feindin so gut verstand. Jetzt gab Natascha auch noch einen 10 Euro Schein. Vielleicht kannten sie sich ja schon länger und beglichen gerade die Schulden, die sie gegenseitig aufgenommen hatten.
Doch dann kam jemand auf mich zu. Ich konnte denjenigen nicht erkennen, weil ich so geschockt war, von dem Bild, das ich gerade gesehen hatte. Ich vermutete das es war und hatte schon jetzt Angst davor erneut bloßgestellt zu werden. Aber entgegen meinen Erwartungen, hörte ich plötzlich eine freundliche Stimme: "Hi, ich bin Natascha. Wir gehen in eine Klasse."
"Ja, hi", sagte ich noch schüchtern. Aber das Wichtigste, ohne zu stottern!
"Willst du morgen nachmittag zu mir nach Hause kommen, oder hast du keine Zeit?"
Natürlich will ich! Ja, ja, ja! "Klar. Ja, ich freu´ mich", sagte ich ihr.
Sie verschwand bevor ich mich richtig bedanken konnte.
Aber das, war mir jetzt egal. Denn:
Ich war auf dem besten Weg eine Freundin zu bekommen.

Kapitel 3

Ich bin so glücklich! Heute gehe ich zu Natascha. Der erste Stein einer Freundschaft ist gelegt.
Ich bin aber auch so aufgeregt.
"Papa, ich komm heut erst später nach Hause! Ich geh´ noch... in die Stadt!"
Warum kann ich ihm nicht die Wahrheit sagen? Ist doch toll, wenn ich eine Freundin finde.
Aber vielleicht ist es besser ihm erst nach beschlossener Sache davon zu erzählen.
Wer weiß was Natascha für ein Mädchen ist, wenn sie sich so gut mit versteht? Und mein Vater will sie dann bestimmt gleich kennen lernen. Nein! Ich geh` heute, auf jeden Fall für ihn, in die Stadt.
Mit diesen Gedanken in Kopf stieg ich heute gut gelaunt in den Bus, um dem supercoolem Mädchen auszuweichen. Ich hatte Glück, denn als ich mich umsah, erblickte ich aus meiner Klasse nur die möchtegern Coolen, zu denen auch Maike und Marius gehörten. Doch von war nichts zu sehen. Also konnte ich mich entspannt in einen Sitz lehnen und darüber nachdenken, was ich heute alles erleben würde.
Bei Maike und Marius ging in der Zeit was ganz anderes ab. Sie prügelten sich , unter dem Vorwand, dass sie in der Schule etwas Spannendes erzählen konnten. Der Busfahrer sah dies zwar, hielt es aber für besser nicht einzugreifen, weil er merkte, dass ihre Prügelei nur aus gegenseitigem Anstoßen bestand.
Ich konnte nicht hinschauen, es war so niederschmetternd, dass ich wusste, dass ich noch weniger wert war, als die.
Denn sogar die lachten mich aus und zogen über mich her.
Aber heute war mir alles egal, die Sprüche, die Demütigung und das Gelächter.
Denn was mache ich heute? Ich gehe heute zu Natascha!
Überglücklich betrat ich das Schulgebäude. Natascha kam mir schon entgegen gelaufen.
"Das wird super!", dachte ich , während wir uns stürmisch begrüßten. Dann gingen wir in den Unterricht, doch schon auf dem Weg zum Klassenzimmer merkte ich, dass etwas nicht stimmte.
hatte mir noch keine blöde Bemerkung an den Kopf geworfen, oder Ähnliches gemacht.
Sie lief vor uns. Drehte sich aber immer wieder zu uns um und sah Natascha auffordernd an. Was sollte das? Aber ich wollte sie nicht danach fragen. Jetzt noch nicht. Dafür kannte ich sie zu wenig und ich wusste auch nicht, wie sie auf so etwas reagieren würde.
Also verschwendete ich keinen anderen Gedanken mehr an und ihre Beziehung zu Natascha.
"Nadine? Hallo? hörst du mir zu?"
"Ja, wie war das?“ Oh nein! Ich habe gerade überhaupt nicht zugehört. Hoffentlich ist sie nicht böse! "Ich habe dich gefragt, ob wir uns heute mittag eine Pizza bestellen wollen?"
"Klar, das wäre super! Ich liebe Pizza." Zum Glück ist sie nicht sauer!
Wir gingen ins Klassenzimmer und unser Lehrer begann mit dem Unterricht. Wir hatten Mathe!
Ich hasse es einfach, weil ich überhaupt nichts verstehe und es so langweilig ist! Doch dann wurde mir ein Zettel, der wahrscheinlich von Natascha war, gegeben.
Dies war eine willkommene Abwechslung! Ich las:
Hi, wie geht` s?
Ist doch total langweilig! Ich versteh´ überhaupt nichts!
Willst du ein Kaugummi? Der nimmt einen sowieso nicht dran!
Natascha

Ich schrieb ihr schnell zurück, das ich die Stunde auch voll öde finde und, dass ich ihr Angebot mit dem Kaugummi gerne annehme. Die Antwort wurde weitergegeben. Als ich mich fragte wie die Erfrischung denn zu mir gelangt, flog etwas von zu mir durch die Luft und landete auf meinem Tisch.
Unser Mathelehrer kam mit einem bösem Gesicht zu mir und sagte, dass ich einen 2 Dina4 Seiten langen Aufsatz darüber schreiben soll, dass ich keine Kaugummis kauen darf.
Ich versuchte mich schon gar nicht mehr rauszureden, weil ich wusste, dass es dann nur noch schlimmer werden würde. Doch ich fragte mich natürlich warum ich eine Strafarbeit aufbekam, obwohl ich das Kaugummi doch gar nicht gekaut hatte. Aber na ja, die Welt ist halt ungerecht!
Was mich mehr störte ist, dass mir mit meinem Zettel winkte! Also hatte ihn nicht Natascha geschrieben! Warum macht sie so etwas? Sie weiß doch, dass ich deswegen Ärger bekomme!
Nach diesem Zwischenfall, dauerte der Matheunterricht noch länger! Und es war, als würde jede Minute, die verstrich, ein Glücksfall sein.
Endlich nach lang andauernden 45 Minuten wurden wir in die Pause entlassen. Sofort steuerte ich die Toilette an, doch vor der Tür, fing sie mich ab. Warum konnte sie mich nicht einfach in Ruhe lassen? "Hi", sagte sie Kaugummi kauend. "Das was in Mathe war tut mir echt Leid! Ich wollte nicht das du Ärger bekommst. Soll ich dir den Aufsatz schreiben? Ich habe noch einen vom letztem Jahr bei mir zu Hause liegen. Den kann ich dir geben."
Meint sie das ernst? Oder will sie mir gar nicht helfen, sondern mich nur noch tiefer reinreiten?
Na ja, es kann ja nichts schaden. Ich kann ihn ja trotzdem schreiben und dann schauen wir mal, ob sie es gut oder schlecht mit mir meint.
"Okay. Danke. Ich muss jetzt."
"Ja, gut. Tschüs!"

Auch während der anderen Stunden und Pausen, ließ die Finger von mir.
Doch, als Natascha und ich uns auf den Weg machten, war ich trotzdem froh, dass ich diesen Tag hinter mir hatte.
Wir unterhielten uns auf dem 15 minutigem Fußmarsch und sahen schon freudig der Pizza entgegen:
"Ich glaube meine Mutter hat die schon in der Pizzeria angerufen, also müsste sie dann bald ankommen",
brachte sie nach einer 1 Minuten langer Gesprächspause unsere Unterhaltung wieder in den Gang.
Ich war froh darüber, weil ich dieses schweigend nebeneinander Hergehen einfach nicht ausstehen kann.
Glücklicher Weise bestand unser Gespräch danach aus frohem, lustigem Geplapper.
Worüber wir redeten hätte sogar ein Tauber hören können, da wir manchmal auch einfach aufschrieen und unseren Gefühlen freihen Lauf ließen. Wir verstanden uns so gut, dass ich nicht anders konnte, ich war einfach nur glücklich und konnte an nichts anderes mehr denken, außer, dass dies neben mir vielleicht schon bald meine neue Freundin sein würde. Ich vergaß sogar die Schikanen von und,
dass sie mich nicht ausstehenden konnte. All das war mir egal. So egal!
Dann waren wir endlich an unserem Ziel.
Wir gingen munter und vergnügt hinein und machten uns an unsere Hausaufgaben.
Natascha und ich lagen auf dem Boden ihres ordentlichen Zimmers. Es war nett eingerichtet. Es war mit Teppich ausgelegt und hatte gelbe, helle Wände. Am einen Ende stand ein wunderschönes Bett mit einer rotfarbenen Tagesdecke. Auch ein großer, aufgeräumter Schreibtisch war zu sehen.
„Und, wie gefällt´s dir?“, fragte sie als sie meinen begutachteten Blick spürte.
„Super! Es ist wunderschön“, antwortete ich wahrheitsgemäß.
Doch bei dieser Schönheit, diesem Einklang des Raumes und zu seiner Besitzerin musste ich daran denken, dass wir total unterschiedlich waren.
Sie war dünn, ich na ja etwas mobbelig. Sie war hübsch, ich nicht. Schon allein unsere Zimmer. Ich bin so unordentlich. In meinem Zimmer liegen die Klamotten Berge hoch. Man sagt zwar immer, dass sich Gegensätze anziehen, aber ich denke nicht, dass dies auch auf uns zutrifft.
Na ja es ist ja nicht so , dass ich mich nicht ändern kann. Ich kann ja einfach mal probieren mich zu ändern. Ja, das mach’ ich. Dann klappt es vielleicht und ich hab’ bald eine neue Freundin.
„Wollen wir mit Mathe anfangen? Das ist leicht“, führte sie das Gespräch weiter.
Mathe? Leicht? Sollten die beiden Sätze eben zusammen passen? Niemals!
Aber ich glaub ich muss! „Ja, klar. Aber ich kann das nicht so gut“ erwiderte ich zaghaft. „Ist klar. Ich kann’s dir erklären.“
Super dann kann es ja los gehen.
Im Gegensatz zu meinen Erwartungen waren die Aufgeben gar nicht mal so schwer, aber ich denke das liegt daran, dass ich ihr zuhöre und das ich dies bei unserem Mathelehrer weder auf der alten Schule noch hier auf der neuen mache.
Warum sollte ich auch. Erstens interessiert es mich überhaupt nicht und da ich es noch nicht mal gleich verstehe, setzte ich mich einfach ruhig hin und denke nach. Es wäre wahrscheinlich besser für mich wenn dieses Denken bezüglich der Rechnungen
wäre, aber das passiert bei mir so gut wie nie.
Endlich waren wir fertig. „Wollen wir jetzt essen gehen? Ich glaub´ der Lieferant ist gekommen“, schlug sie glücklicher Weise vor.
Doch als ich gerade zustimmte, kam auch schon ihre Mutter mit dem Essen.
„Hallo, Mädels! Wie geht’s euch? Bist du Nadine?“
„Hi, Mutti. Uns geht’s super. Sind auch schon mit Hausaufgaben fertig. Ist das unsere Pizza?“
„Ja, hier.“
„Ja, ich bin Nadine. Danke für die Pizza.“, antwortete ich.
Sie verabschiedete sich wieder und wir machten uns mit Heißhunger über unser Essen her. „Schmeckt super.“ „ Finde ich auch. Wie gefällt’ s dir eigentlich auf der neuen Schule? Kommst du in allen Fächern gut mit? Wenn nicht kann ich dir jemanden empfehlen der dir Nachhilfe geben kann.“
Ich erwiderte kauend: “Mir gefällt’ s eigentlich ganz gut. Ja, das mit der Nachhilfe wäre glaub’ ich ganz gut. Weil ich ziemlich hinterher hänge, verstehe ich das meiste nämlich nicht. Aber da gibt es etwas, das mich mehr beschäftigt als die Schule.“
Sie nahm ein Stück ihrer Pizza und biss hinein.
„Was denn? Sag schon.“
„Ich weiß nicht wie ich es erklären soll. Es ist irgendwie seltsam.“
„Na komm. Mir kannst du das doch wohl erzählen“, drängte sie mich sanft zum reden.
„Gut. Na ja, es ist wegen . Ich glaube sie kann mich nicht leiden. Sie ist so gemein zu mir.“ Endlich war es gesagt. Und was meinst du dazu, Natascha?
Ich hatte das Gefühl, dass sie etwas nervös wurde.

Es war eine komische Situation. Auch jetzt, wo ich auf meinen Bett sitzend darüber nachdenke. Ich weiß noch genau wie ihre Augen sich plötzlich weiteten und sie mich erschrocken ansah. Dann im nächsten Augenblick, war sie wieder ganz die Alte und antwortete nur: „ Keine Ahnung. Ich hab’ davon noch gar nichts mitbekommen. Egal.“ Dann fragte sie mich nur noch ob ich noch ein Stück Pizza wolle und damit war das Thema für diesen Tag erledigt.
Ich schrieb in mein Tagebuch:
Liebes Tagebuch,
Heute sollte einer der schönsten Tage meines Lebens werden.
Denn heute war ich bei Natascha. Es war eigentlich perfekt, wir aßen leckere Pizza, unterhielten uns freudig und spielten nachher noch Computer.
Doch es gibt da eine Sache über die ich trotzdem ständig nachdenken muss:
Was haben Natascha und für eine Beziehung zueinander und gibt es überhaupt eine?
Aber wenn nicht, warum wurde sie dann auf einmal so stutzig als ich dieses Thema, ,
ansprach?
Ich weiß nicht was Natascha für ein Mensch ist. Nach außen wirkt sie nett, freundlich und offen herzig doch wie sieht sie nach innen gesehen aus?
Werde ich dies jemals herausfinden? Oder, sollte ich dies jemals herausfinden?
Vielleicht sollte ich nicht mehr darüber nachdenken, oder gerade gut überlegen um so zu einer eventuellen Lösung zu kommen? Gibt es überhaupt eine Lösung oder ist dies eine Sache, die ich nie verstehen werde?
Ich kann nur eins, hoffen, dass sich bald alles klärt und ich Antworten auf meine Fragen finde.
Alles Liebe
Nadine

Designer


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